Samstag, 26. März 2016

So reich und so arm- Von Kapstadt nach Namibia

Das Ziel unserer fast drei Wochen andauernden Fahrt Richtung Süden wurde nochmal ein echter Höhepunkt, auch für die Widersprüchlichkeit des Landes. Bei der Einfahrt nach Kapstadt fuhren wir kilometerlang an riesigen Slums vorbei, die gefühlt gar kein Ende nahmen und wo die Hälfte der 4 Millionen Einwohner lebt.
Großstadtflair in Kapstadt
Der Tafelberg hat fast immer ein weißes "Tischtuch" aufliegen
Als wir ihn bestiegen, nahm er es aber freundlicherweise ab.
Vom Balkon des Rathauses sprach Nelson Mandela
erstmals nach seiner Haftentlassung vor Hunderttausenden
Die Stadt an sich zeigte sich dann von ihrer besten Seite mit ihrer fantastischen Lage am Meer, mit beschaulichen Fußgängerzonen, freundlichen Menschen und dem traumhaften Blick vom Tafelberg.
Traumhafte Landschaften....
...und tosenden Winde....
...am sagenumwobenen Kap der Guten Hoffnung
Ein kleineres Slum konnten wir später unter der Führung einer Bewohnerin besuchen. Sie brachte einleitend zum Ausdruck, dass zwar die politische Apartheid in Südafrika der Vergangenheit angehört, sie ist aber durch eine materielle Apartheid ersetzt worden. Weiß bedeutet wohlhabend und schwarz steht für arm und mittellos. Das gesehene Elend zu beschreiben, fällt schwer. Das Slum bestand aus einer grauen Mischung von Holz- und Wellblechhütten, die bei uns lediglich als Viehställe durchgegangen wären. Du läufst durch die engen dreckigen Gassen und sagst dir nach jedem Schritt: das kann doch nicht wahr sein. Wie können hier nur Menschen leben? Das Innere der Hütten ist unheimlich eng und voll gestellt mit all den Habseligkeiten, sieht aber ähnlich ordentlich aus wie bei den Favelabewohnern in Rio. Überall zwischen den Häusern hängt sehr viel Wäsche, für uns das deutliche Zeichen, dass dies kein Sammelplatz für asoziale Familien ist, sondern dass hier einfach nur ganz normale, arme Leute wohnen, die genauso denken und fühlen wie wir selbst. Was nutzt alle persönliche und politische Freiheit,  wenn ich nicht die Möglichkeit habe, ein menschenwürdiges Leben zu führen?
Menschenunwürdige Lebensbedingungen....
...für viele Millionen Afrikaner
Wie kann man hier nur leben?
Ein Wasserhahn für einige Tausend Menschen
Bei unserer Runde durch das Slum kommen wir natürlich auch bei Handwerkern und Künstlern vorbei, die Andenken und Handarbeiten verkaufen. Unser ganzes Geld ist schnell aufgebraucht, weil wir diese Armut nur schwer ertragen können. Als wir dann später noch ins Gemeindezentrum kommen und ein paar Leute ganz spontan zu singen anfangen, läuft es mir nur noch kalt den Rücken herunter und ich habe Tränen in den Augen

Im Kindergarten...
...oder davor, ganz normale Menschen
...mit Kraft und tiefen Gefühlen....
...doch vom Leben benachteiligt.
Am Abend sind wir dann zu Gast bei Christin und Mareke. Gerhard hatte die Bautznerin in Deutschland zufällig im Zug kennengelernt, jetzt sitzen wir zum afrikanischen Abendbrot bei ihr und ihrem Mann, der als Pastor ausgerechnet in dem Slum arbeitet, das wir ein paar Stunden eher besucht hatten. Wir genießen die Gastfreundschaft und können endlich alle unsere Fragen loswerden, die sich in den Wochen vorher angestaut hatten.
Endlich viele Antworten, mit Christin und Mareke....
oder mit "Aussteiger" Nik sich über die
südafrikanischen Eindrücke austauschen
Neben den vielen Problemen, die wir in den Wochen vorher aufmerksam beobachtet und auch schon beschrieben haben, wurden wir von Mareke noch einmal neu auf die große Erfolgsgeschichte Südafrikas aufmerksam gemacht. Südafrika ist eine der wenigen echten Demokratien Afrikas. Jeder kann sagen, was er will. Keiner wird mehr ohne Grund ins Gefängnis geworfen. Die Menschenrechte werden gewahrt und allen schwarzen Menschen geht es besser als zu Zeiten der Apartheid. Dies bestätigten uns übrigens auch weiße Südafrikaner, die der ANC-Regierung sehr kritisch gegenüberstehen.
Wohnungsbauprogramme, um die Zahl der Slums zu reduzieren...
Die umfangreichen Wohnungsbauprogramme haben dazu geführt, dass es nur noch wenige Slums gibt, die aber inzwischen zumindest ans Stromnetz angeschlossen sind und über eine Wasserversorgung verfügen. Häufig wohnen gerade dort die 4 Millionen offiziellen und die geschätzten 2 Millionen inoffiziellen Flüchtlinge, die von überall her nach Südafrika drängen. Wenn es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gelingt, einen sozialen Ausgleich zwischen Weiß und Schwarz herzustellen, könnte das Land zu einem strahlenden Vorbild für viele andere  afrikanische Staaten werden.
In Namibia Bekanntschaft mit Webervögel....
...und Riesenkäfern schließen.
Im Köcherbaumwald...
...den Sonnenuntergang....
...erleben..
...und genießen.
Inzwischen sind wir in Namibia angekommen und haben alle Schalter wieder auf Abenteuer gestellt. Wir haben einen Allradcamper und werden Schritt für Schritt das Land erkunden. Schon zu Beginn zeichnet sich ab, dass es für mich ein grandioser Abschluss werden könnte. Fern von jeglicher Zivilisation konnten wir in der Halbwüste inmitten eines Köcherbaumwaldes übernachten. Die untergehende Sonne verwandelte den hellblauen Himmel in Zeitlupe in ein oranges Meer, vor dem sich die eigenartig geformten Köcherbaume als Silhouetten abhoben. Dazu erklang das laute Zirpen von fast handtellergroßen Käfern, die sich langsam krabbelnd durch die Gebüsche bewegten. Nur dass wir den ersten Skorpion im Camper erschlagen mussten, trübte etwas die Stimmung. Aber wir sind wohlgemut und grüßen herzlich aus dem Süden Afrikas. Gerhard und HW

Samstag, 19. März 2016

Zum südlichsten Punkt Afrikas - Cap Agulhas

Unser Weg nach Kapstadt führt uns parallel zur Küstenlinie des Indischen Ozeans südwärts. Gelegentlich fahren wir entweder ein Stück ins Landesinnere oder wählen einen Unterkunft am Meer. Wir kommen in erster Linie durch die fast ausschließlich von Schwarzen besiedelten Regionen Kwazulu-Natal bzw. die ehemaligen Homelands Transkei und Ciskei. Wir sehen zwar zahlreiche Slums, aber auch größere Siedlungsprojekte mit kleinen gleich aussehenden Häusern, die offensichtlich von der Regierung gebaut werden, um den Slumbewohnern menschenwürdigere Wohnverhältnisse zu bieten.
Immer weiter südwärts....
...entlang des phantastischen Indischen Ozeans.
Termitenhügel können sehr kunstvoll sein...
...und erregen manchmal das Interesse anderer Tiere.
Straußenfarmen mit hunderten Exemplaren begegnen uns häufig,...
...wobei wir offensichtlich auch das Interesse der Tiere erwecken.
In den Städten und Dörfern fallen uns oft Männer aber ganz besonders Frauen auf, die einen gequälten Gesichtsausdruck haben. Wir wissen nicht, was mit ihnen los ist. Wir ahnen aber, dass wir gerade wieder einem HIV-positivem Menschen ins Gesicht schauen. Die Zahlen dazu sind schockierend. Man schätzt, das 25 % der Südafrikaner mit dem AIDS-Virus infiziert sind.  Dazu berichten einschlägige Studien, dass die enormen AIDS-Raten vor allem mit der hohen Zahl von Vergewaltigungen zusammenhängen. Hier steht Südafrika weltweit an erster Stelle, genauso wie in der Verbrechensstatistik. Zynisch ausgedrückt ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine schwarze Frau Opfer eines sexuellen Missbrauchs wird in Südafrika höher, als dass sie schreiben und lesen lernt. Andere Studien deuten an, dass durchschnittlich ein Viertel der Mädchen einer Klasse den Virus in sich tragen, jedoch nur sehr wenige der Jungen. Das bedeutet, dass all diese Mädchen keinen sexuellen Kontakt mit ihrer Altersgruppe hatten, sondern mit älteren Männern. Immer noch wird im Volksglaube angenommen, dass sich AIDS heilen ließe, wenn man mit einer Jungfrau schläft. All diese Informationen legen einen dunklen Schleier über die Erfolgsgeschichte der gewaltlosen Abschaffung der Apartheid und lassen uns in manches Gesicht mit anderen Augen blicken.
Kein Rassismus mehr, beteuern meine Gesprächspartner
Gibt es immer noch Rassismus in Südafrika? Nein, beteuern vier Männer, mit denen ich einen Abend im Hostel verbracht habe, drei sind schwarz, einer weiß, sie sprechen vier verschiedene Sprachen und haben vier verschiedene Religionen. Jeder verdient das gleiche Geld, jeder ist vor dem Gesetz gleich, wir sind stolz auf unser Land und auf Nelson Mandela, sagen sie fast gleichlautend zu mir. Das scheint zu stimmen, aber die Praxis läuft vor unseren Augen ganz anders ab. Der Weiße ist wohlhabend und gut gebildet, der Schwarze in der Regel arm, häufig arbeitslos und hat den schlechteren Bildungsgrad. Jeden Tag erleben wir aufs Neue, dass ein Chef in einem Restaurant, in einem Laden, in einem Hotel weiß ist und der Schwarze es ist, der bedient, putzt und  die niederen Arbeiten verrichtet.
Hinter Elektrozäunen lebt es sich sicherer
Ein Township, in denen noch Millionen Menschen leben
Krass ist auch der Gegensatz in den Wohnverhältnissen. Weiße haben sich hinter hohen mit Stacheldraht besetzten Mauern verschanzt, die ärmsten Schwarzen hausen in Slums, gegen die die Favelas in Rio reine Luxusapartments sind. Wir hören, dass gerade in diesen Hütten meist die zahlreichen Ausländer wohnen, die aus vielen afrikanischen Staaten nach Südafrika drängen. Offiziell sind 4 Millionen Flüchtlinge registriert, die Dunkelziffer soll deutlich höher sein und das bei 50 Millionen Gesamtbevölkerung.
Im Gespräch mit Abdul, der aus Tansania stammt.
Geld und Bildung ist der Schlüssel zu sozialem Aufstieg, jeder weiß das, hier sehen wir diese Tatsache millionenfach vor uns. Was wird aus diesem Land werden? Wird auch hier die kleine schwarze Elite in Korruption versinken wie in vielen anderen afrikanischen Ländern und gemeinsam mit der weißen Oberschicht, den Rest des Volkes in anderer neuer Weise weiter unterdrücken? Oder ist das Jahrhundertprojekt der Wohlstandsangleichung einer übergroßen schwarzen Menschenmasse an das Niveau der seit Jahrzehnten europäisch lebenden weißen Minderheit in vollem Gange? Wir wissen es nicht.
All das erfahren wir Schritt für Schritt bei unserer weiteren Fahrt Richtung Kapstadt. Wir versuchen immer wieder mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die Sicht auf das Land könnte kaum unterschiedlicher sein, je nachdem ob man mit weißen oder schwarzen Südafrikanern spricht.
Traumhafte, menschenleere Strände...,
...wunderschöne Flussmündungen,...
...zahlreiche Großvögel....
...und tosende Wellen säumen unseren Weg gen Süden.
Dabei erfreuen wir uns natürlich auch weiterhin der wunderbaren Naturschätze, die wir bestaunen. Wir wandern durch die Drakensberge, die wie eine Mauer mitten im Land 3000 m hoch aufragen und die Grenze zur zweiten Enklave, des Königreichs Lesotho bilden. Wir besuchen den tierreichen Addo-Elephant-Nationalpark, der in erster Linie voller Warzenschweine und Zebras erscheint, uns nach langem Suchen aber auch die Elefanten nicht vorenthält.
Nicht das Kap der Guten Hoffnung, sondern das Cap Agulhas...
...ist der südlichste Punkt Afrikas.
In der Nähe befindet sich eine bei Ebbe begehbare Höhle.
Das Wrack eines japanischen Thunfischtankers,
der  vor einigen Jahren dort unterging.
Wir bereisen die Wildcoast mit zahlreichen Schluchten und ausgedehnten kalten Regenwäldern, die ich von Chile her schon kenne und kommen schließlich bis zum Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, der uns mit Wind und hohen Wellen empfängt. Dort können wir die windumtoste Küste bei herrlichem Wetter und einigen Wanderungen geniesen. Von dort grüßen ganz herzlich Gerhard und Hans-Werner

Samstag, 12. März 2016

Fahrt in die Hoffnungslosigkeit - Swaziland

Da sind diese bittenden Augen vor dem herunter gelassenen Fenster: "Can I give my number too?" Vier Jugendliche haben uns ihre Handynummer auf einen Zettel geschrieben. Wir sind vor einem kleinen Supermarkt mit ihnen ins Gespräch gekommen, über das Leben in ihrem Swasiland, einer Enklave in Südafrika, über Jobs, die Schule, über den König. Es scheint schwer zu sein, hier zu leben. Es gibt keine Arbeit, niemand hat einen Job für uns, sagen sie. 28 Tage lang dürfen sie offiziell in Südafrika arbeiten. Dort will sie aber niemand, da dort ebenso hohe Arbeitslosigkeit herrscht, derzeit sind es 25 %.
Junge Leute aus dem Swaziland: Wo gibt es Arbeit?
Vielleicht habt ihr ja Arbeit für uns, ihr kommt doch aus Deutschland, fragt einer. "Sorry, we don't have Jobs", antworten wir kopfschüttelnd. Aber wenn ihr irgendwann welche habt, dann ruft uns unbedingt an. Schon hat einer einen Zettel herausgekramt und beginnt zu schreiben. Wir zucken die Schulter, wir können es nicht verhindern. Wir gehen langsam zum Auto, steigen ein, nehmen den Zettel mit den Nummern entgegen. Ein fünfter Jugendlicher kommt hinzu, er hatte offensichtlich von Ferne zugehört, schaut mir tief in die Augen und spricht schüchtern aber flehentlich mehrmals nacheinander diesen einen Satz. "Can I give my number too?"
Fünf Nummern der Hoffnungslosigkeit
Es geht uns durch und durch. Wie schlimm muss die Hoffnungslosigkeit sein, wenn sich Menschen an solche Strohhalme klammern.
Einen Tag lang fahren wir durch Swaziland, einem der ärmsten Länder der Welt. Die nackten Fakten sprechen Bände. Eine absolut regierender König, der polygam mit 14 Frauen lebt und ein Privatvermögen von mehreren Hundert Millionen Dollar besitzt.  60 % der landwirtschaftlichen Fläche wird subsidiär bewirtschaftet, d.h. keine Produktion von Überschüssen, 50 % der Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Politische Parteien sind verboten, die Opposition wird verfolgt. 26 % der Bevölkerung sind HIV-positiv. Einmal im Jahr tanzen 40.000 barbusige Jungfrauen vor dem König, der sich mitunter eine neue Frau erwählt. Seltsam.
Wir fahren durch das Land, sehen einerseits die wunderschöne Landschaft andererseits aber auch die bittere Armut. Auch hier hat die Trockenheit für eine stellenweise fast kahle Landschaft gesorgt. Einzig die mancherorts auftauchenden großen Zuckerrohrplantagen halten sich durch Bewässerung grün.
Ländliche Siedlung in Swaziland
So sehen die Städte der Schwarzen aus,
mehr Armutsbilder erspare ich mir 
Seit drei Wochen bin ich nun in Südafrika und ich fühle mich immer noch sehr, sehr fremd. Es ist ein Land voller krasser Widersprüche und steht ganz im Focus seiner Apartheids-Geschichte. Vor nicht einmal 30 Jahren wurden hier die dunkelhäutigen Menschen, die 85 % der Bevölkerung ausmachen, diskriminiert und ihnen grundlegende Menschenrechte von einer weißen Minderheit verwehrt. Sie waren abgeschoben in sogenannte Homelands oder Townships, abgegrenzte teilweise völlig verwahrloste und unterentwickelte Gebiete, die sie als Wohnort zugewiesen bekommen hatten und durften diese nur mit Genehmigung oder zu Arbeit verlassen.  85 % des Landes besiedelten dagegen die weißen Menschen, die Südafrikas Wirtschaft mit den billigen Arbeitskräften aus den Elendsvierteln des Landes auf ein hohes Level brachten. Schwarze durften nicht mit den Bussen der Weißen fahren, nicht den gleichen Strand nutzen, nicht auf ihren Parkbänken sitzen, nicht in ihre Schulen gehen. Häufig wurden Familien auseinander gerissen und getrennt.
Als Nelson Mandela nach seiner  27 jährigen Haft aus dem Gefängnis frei kam und anschließend zum Präsident Südafrikas wurde, konnte er gemeinsam mit Bischof Tutu und anderen schwarzen Führern mit seinem massiven Eintreten für Gewaltlosigkeit verhindern, das die Machtübernahme der unterdrückten Mehrheit mit einem Abschlachten der verhassten weißen Minderheit einherging. Vor sogenannten Wahrheits- und Versöhnungskommissionen wurden Opfer und Täter zusammengebracht. Die Opfer durften anklagen, die Täter mussten in erster Linie zuhören. Ziel der Verhandlung war die Versöhnung. Gaben die Täter ihr Unrecht zu und baten um Vergebung, gingen sie straffrei aus, die Opfer bekamen finanzielle Zuwendungen vom Staat für das erlittene Unrecht. Folgte ein Weißer jedoch nicht der Aufforderung vor der Kommission zu erscheinen, hatte er mit Strafverfolgung zu rechnen.
Johannesburg - vor 130 Jahren fand man hier Gold
Viele Jugendliche sind locker drauf...
...und winken und lachen uns zu.
Lebte viele Jahre in Johannesburg - Mahatma Gandhi
Solche Fakten erfahren wir im großen Apartheidmuseum, was wir in Johannesburg innerhalb einer Stadtrundfahrt besuchen. Die Megacity, die kaum mehr als 100 Jahre alt ist, kommt bei uns viel freundlicher an, als sie uns bisher geschildert worden war. Viele, vor allem schwarze Jugendliche winken uns zu, als wir hoch oben im Bus sitzend durch verschiedene Stadtteile rollen. Aber auch innerhalb der Stadt sind die Widersprüche groß. Neben Hochglanzvierteln erleben wir dreckige, vermüllte Stadtteile mit kleinen Hütten, in denen Menschen hausen.
Häufig sitzen Menschen an den Straßenrändern
...und scheinen auf irgendetwas zu warten.
Nicht vorstellbar, dass solche Menschen vor wenigen Jahrzehnten...
...wegen ihrer Hautfarbe per Gesetz diskriminiert waren.
Die Fahrten durch das Land zum Blyde River Canyon oder an den Indischen Ozean verstärken den widersprüchlichen Eindruck. Wir fahren teilweise auf ausgebauten Autobahnen, die europäischen Standard haben, kommen aber durch manche Großstädte, wo die Straßen abseits der Hauptroute nicht einmal geteert sind, geschweige denn einen Fußsteig besitzen. Die Leute, natürlich ausschließlich Schwarze, laufen bei Regen einfach im Schlamm neben der voll ausgebauten Straße.
Etwas viel Dunst im Blyde River Canyon
Der Blyde River hat sehenswerte Arbeit geleistet
Traumhafte Strände am Indischen Ozean
All diese Beobachtungen, die uns immer wieder auf das Gemüt schlagen, vergessen wir für kurze Zeit, wenn wir in Südafrikas überwältigende Naturparks eintauchen. Am Indischen Ozean sind wir ganz nah dran an Flusspferden und Nashörnern, die allein durch ihre Größe schon außerordentlich faszinieren. Sie dann noch minutenlang in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, macht uns immer wieder glücklich.
Mit einem Boot fahren wir zu großen Fluspferdsippen...
...und können sie aus nächster Nähe beobachten.
Im Imfolozi-Nationalpark gibt es dann zahlreiche Nashörner...
...aus nächster Nähe zu beobachten.
Warzenschweinmütter haben es nicht immer leicht
Die Liebe unter den Meerkatzen ist offensichtlich intakt.
So sind wir hin und her gerissen, von all diesen Widersprüchen und werden wohl noch einige Zeit brauchen, um dies alles zu verarbeiten. Zum Glück können wir uns austauschen und unsere Beobachtungen und Gefühle miteinander teilen. Ebenso glücklich waren wir, als ein agressiver Raser uns von der Fahrbahn drängte und wir außer ein paar umgefahrenen Warnbaken an Leib und Leben unversehrt blieben. Seid herzlich gegrüßt von Hans- Werner und Gerhard