Mittwoch, 16. September 2015

Amerikanisches Finale - Grand Canyon

Nach dem abendlichen Ausfliegen der Fledermausschwärme an den Carlsbad-Cavern, dem südlichsten Punkt unserer Reise, besichtigten wir am nächsten Tag eines der größten Höhlensysteme der Erde mit phantastischen Tropfsteingebilden. Man konnte viele Meilen das Innere der Höhle selbständig erkunden. Inzwischen hatte wir so viele spektakuläre Naturphänomene im Land der Superlative gesehen, dass eigentlich keine Steigerung mehr kommen konnte.
Mächtige Stalagmiten in der Carlsbad-Cavern
Doch wir hatten das Colorado-Plateau, das wir am Anfang unserer Reise vom Norden her mit mehreren Nationalparks bereits besucht hatten, unterschätzt. Das Plateau selbst hat ungefähr die Größe von Deutschland und ist durch das rote Gestein im gesamten Einzugsgebiet des Colorado-Rivers gekennzeichnet. Wir näherten uns jetzt vom Süden her und kamen zum Grand Canyon. Jeder kennt ihn von Bildern. Er war wirklich "grand". 450 km lang, 30 km breit, 1,6 km tief. Bei unserer Besichtigung mussten wir zwar etwas suchen, um eine Stelle zu finden, an der wenig Leute waren, aber als wir sie gefunden hatten, blieben wir längere Zeit sitzen und fühlten die Erhabenheit dieses Naturwunders.
Grand Canyon
Die Weite und Tiefe ist nicht auf das Foto zu bannen.
1,8 Milliarden Jahre Erdgeschichte lassen sich beim Gang in die Tiefe anhand der Schichtungen erkennen. Wir nahmen am nächsten Tag die Strapazen auf uns und wanderten bis auf den Grund an den Colorado. Es wird zwar gewarnt, diese Tour zu machen, weil schon einige Leute dabei an Erschöpfung starben, aber wir waren der Meinung, unsere Kräfte gut einschätzen zu können. Es war ein gewaltiger, anstrengender aber unheimlich begeisternder Marsch, 25 km lang mit einem Höhenunterschied von insgesamt 2800 m bei Temperaturen bis 37 °C. Trotz einer kleinen Schwächeperiode schafften wir die Herausforderung, wir hatten die Wochen vorher ja auch durch zahlreiche Wanderungen mächtig trainiert.
Auf dem Grund - der Colorado-River

Erschöpft aber glücklich
Im weiteren Verlauf besuchten wir noch den Antelope-Canyon, der "unseren" Zebra-Slot von der Farbgebung, der Größe und der Formenvielfalt deutlich in den Schatten stellte, erkundeten selbst einen weiteren Canyon in Eigenregie, wobei wir mit Schaudern über ein Autowrack klettern mussten, was von einer darüber liegenden Brücke direkt in den Canyon gestürzt war, wobei das Bild der verstorbenen jungen Frau unten im Canyon zu finden war.
Im Antelope-Canyon

Die Formen...

...und Farben...

...sind wirklich unglaublich.
Die mächtigen Sandstein-Monolithen des Monument Valleys in ihrer wahren Größe zu bestaunen, war ebenso grandios. Doch das tiefste Gefühl der Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens und der eigenen Existenz ereilte mich selbst tief im Inneren des Navajo-Reservats. Weitab von menschlichen Behausungen saßen wir bei Neumond auf einem einsamen Campingplatz und hatten einen Sternenhimmel, wie ich ihn vorher noch nie gesehen hatte. Die Milchstraße zog sich wie ein riesiger Bogen vom Ende des Horizonts bis zum gegenüberliegenden. Ein einziges verwaschenes riesiges Gebilde unzähliger Sonnen unserer eigenen und sicher einige der anderen existierenden 50 Milliarden Galaxien. Wer hat das gemacht? Was steckt dahinter? Wo geht die Reise hin? Solche Augenblicke zeigen die ganze Relativität der eigenen Existenz, lassen einen aber auch von Herzen dankbar sein, das man dabei sein und das Wunder der evolutiven Schöpfung nicht nur bewusst reflektieren sondern auch genussvoll erleben darf.
Monument-Valley
Was passierte noch? Sehr informativ war das Gespräch mit einem Navajo, der uns unser gefühltes Unbehagen des Umgangs der "weißen" Amerikaner mit ihren Ureinwohnern sehr genau bestätigte. Sie leben unter deutlich schlechteren Rahmenbedingungen in "ihren" Reservaten, den erbärmlichsten Landstrichen der Staaten, wo kaum Landwirtschaft möglich ist, stehen unter dem angeblichen Schutz der Weißen mit gleichen Rechten und Pflichten, können aber nur am Rande des Existenzminimums leben, weil ihre Reservate einfach keine wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Das UFO-Museum - äußerst skurril.
Interessant war auch das UFO-Museum in Roswell, das das Ereignis von 1947 (siehe Wikipedia) ausführlich darstellte oder der Besuch eines Gottesdienstes der Kailab Bible Church Gemeinde, wo wir uns ein Jahrhundert zurückversetzt fühlten, aber freundlichen Menschen begegneten.
Und: wir sahen doch noch eine Klapperschlange. Erfahrene amerikanische Hiker machten uns auf sie aufmerksam. Sie lag zwei Meter neben dem Wanderweg im Grand Canyon im Gebüsch und klapperte recht sanft vor sich hin - einen leichten Schauder konnten wir nicht unterdrücken.
Sonnenaufgang über dem Lake Powell
Nach einigen Tausend Meilen durch den Südwesten der USA sind wir  wieder in Denver angekommen. Das Autofahren in den Staaten war eigentlich ganz einfach. Platz ist unendlich vorhanden, deshalb sind mitunter selbst kleinere Landstraßen gleich vierspurig ausgebaut. Jeder hat seinen Tempomat im Auto, der wird eingestellt und dann heißt es warten bis die Meilenzahl des Tageszieles allmählich abnimmt. Die Sicherheitsabstände sind für einen Deutschen extrem gering, aber man gewöhnt sich allmählich dran. Ein Tabu haben wir aber leider gebrochen. Aufgrund schlechten Kartenmaterials musste ab und an das GPS als Navi eingesetzt werden.  Für mich als Landkarten-Fan war das zunächst eine bittere Pille. Einen großen Teil Europas und selbst Mexiko-Stadt nur mit Karte gefahren zu sein und nun zum technischen Hilfsmittel greifen, das mußte erstmal verarbeitet werden.Vor allem in den großen Städten hat es sich aber voll bewährt, das muß ich zugeben.

Blick an einem Morgen aus dem Zelt auf den Lake Powell.
Auch das Campen ging hervorragend. Die Infrastruktur ist dafür ausgezeichnet. Und unübertroffen sind dabei die Eindrücke am Abend und am Morgen
Eine wunderschöne und zutiefst erfüllende Zeit liegt hinter uns. Möglich wurde diese lange Fahrt auch durch die Großzügigkeit von Familie Worthmann, die uns für wenig Geld für so eine lange Zeit ein Auto zu Verfügung gestellt hat. Dafür sind wir von Herzen dankbar.
Theresas Freunde, links Danielle, die mit ihrer Familie für "unser" Auto sorgte
Theresa hat mich heute verlassen und reist gerade zurück nach Deutschland. Bei mir beginnt jetzt die eigentliche Herausforderung der Reise - es geht allein weiter und ich muß mich mit meinen einjährigen Volkshochschul-Spanisch-Kenntnissen durchschlagen. Es geht nach Costa Rica. Drückt  mir die Daumen, dass weiter alles so gut läuft wie bisher. Wie immer beste Grüße in die deutschen Lande....

12 Kommentare:

  1. Das klingt alles atemberaubend... Der Blog lässt sich super lesen, der Abschnitt über den Sternenhimmel wirklich toll geschrieben!!

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    1. Danke, das freut mich. Und ich weiß ja, wie sehr du auch von den Sternen begeistert bist. Habe gestern Deinen neuen Australien-Bilder bei Facebook gesehen. Echt schön. Grüße schräg über den Pazifik....

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  2. Alles Gute Hans-Werner für deine weitere Reise. Ich verfolge jeden Bericht mit viel Interesse. Solltest mal über das Schreiben eines Buches nachdenken. Bezüglich deiner Sprachkenntnisse kann ich dir nur sagen: Glaub an das dt. Bildungssystem. Viele Grüße Steffen

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    1. Vielen Dank, Steffen. Es freut mich, wenn es Dir gefällt. Nur übertreib mal nicht zu sehr. Am Ende steigt es mir noch zu Kopfe.... Grüße in die alte Kollegenrunde, bin inzwischen in Mittelamerika angekommen. HW

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  3. Bockstarke Leistung von euch im Grand Canyon bin begeistert von deinen Eindrücken. Alles gute für cr.Gruß fried

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    1. Wenn es nur auf die Borussia abfärben würde. Hab gerade die Niederlage im Derby mitbekommen. Was soll da bloß noch werden? Ich scheine wirklich zurückkommen zu müssen. Gruß HW

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    2. Nicht nur deine Borussia, auch die Ärzte haben letzte Woche wieder verloren - 6:3 in Gorknitz. Mittwoch geht's gegen Struppen. Wir zählen auf dich. Gruß Volker

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    3. Gegen Gorknitz? Das geht ja gar nicht. Vielleicht sollte mal wie bei der Borussia ein Trainer-Rücktritt erfolgen.... Gegen Struppen habe ich soeben Jindra als meinen Ersatz eingeteilt. Wehe, er kneift....
      Gruss an die Mannschaft HW

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    4. Es färbt ab!!!!!!! LG fried

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    5. Zum Glueck. Mir gehts gerade besch...., Montezuma rächt sich...
      Gehe bitte morgen nicht zum VfB, wenn du da bist, wird es nichts mit weiteren Punkten.HW

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  4. https://www.youtube.com/watch?v=_lPGQA-RLow
    bissel spanisch-weiterbildung

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    1. Das geht mir zu schnell auf dem Video. Hier schmunzeln die meisten, wenn sie mich radebrechen hören, aber ich habe mich schon tapfer spanisch durchgefragt....

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